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Historische Zeittafel

 

Die folgende Zeittafel zeigt einen kurzen Überblick über die geschichtliche Entwicklung von Georgensgmünd

in der Zeit von 1304 - 1993.

 

 

1304

erste urkundliche Erwähnung des "villula Gmündt": Dem Dekan Marquardt von Ulrich, Probst des neuen Kapitels von Spalt, wird der große und kleine Zehent von Georgensgmünd zugesprochen. In diese Zeit fällt auch der Bau der ursprünglichen dem heiligen Georg geweihten Kirche, vermutlich an der Stelle einer kleinen romanischen Burgkapelle.

 

1309

Geburt des Theologen und Naturkundlers Konrad von Megenberg (bis 1374) in Mäbenberg.

 

1312

ältester schriftlicher Hinweis auf Rittersbach ("Rutersbach")

 

1316

erste urkundliche Erwähnung von Hauslach anläßlich eines Abgabestreits ("Hawslach")

 

1345

erste urkundliche Erwähnung von Wernsbach und Oberheckenhofen ("Oberhekenhouen")

 

1367

Georgensgmünd wird zur ständigen Pfarrei erhoben.

 

1407

erste urkundliche Erwähnung von Untersteinbach ob Gmünd ("Nydernstaynbach")

 

1411

erste urkundliche Erwähnung von Mauk (Mauker Wirt Ulein)

 

1436

frühester Hinweis auf den Weinmannshof als "Ottenhof" des "Weyemann"

 

1442

erstmalige urkundliche Nennung von Petersgmünd

 

1449-1451

1. Markgrafenkrieg ("Nürnberger Reis") zwischen der Nürnberger Reichsstadt und dem Ansbacher Markgrafen Albrecht III. Achilles von Brandenburg (seit 1440). Schweizer Söldner im Dienste Nürnbergs erobern Georgensgmünd, brechen in die Kirche ein, in die sich die Bauern geflüchtet hatten, und töten darin 15 Männer.

 

1480

anläßlich einer Visitation durch die Mutterkirche Spalt wird ausdrücklich der heilige Georg als Patron der Gmünder Kirche genannt ("eclesia Santa Georgi")

 

1489

Errichtung der kleinen Kirche zu Mäbenberg, vermutlich an der Stelle einer älteren Kapelle, die noch von den ortsansässigen adligen Megenbergern errichtet worden war. Mutterkirche ist Abendberg. Im Chorraum befindet sich ab ca. 1500 der spätgotische "Kaiseraltar".

 

1511

früheste schriftliche Erwähnung der Hämmerleinsmühle zwischen Georgensgmünd und Untersteinbach ("des Segers Gutlein"). Erst für 1775 läßt sich die Bezeichnung `Hämmerleinsmühle` nachweisen.

 

1521

der Rother Amtmann und Grundherr Endres von Hausen läßt an der Fränkischen Rezat südlich von Gmünd ein Eisenschmelzwerk errichten, die sogenannte Hammerschmiede (bis 1541).

 

1527

nach dem Grundsatz "cuius regio, eius religio" wird Georgensgmünd als Herrschaftsbereich des Ansbacher Markgrafen evangelisch. Seit 1527 predigt in der St.-Georgskirche ein evangelischer Pfarrer. Auch Mauk ist markgräfisch, während das südlich des Maukbaches gelegene spätere Obermauk außerhalb markgräflichen Gebietes katholisch bleibt, ebenso wie die Städte Abenberg und Spalt, die zum Bistum Eichstätt gehören.

 

1549

mit dem Tod des letzten von Hausen (Endres von Hausen von Roth - 1519-1549) gehen sämtliche Besitzungen an den Markgrafen und damit auch das Besetzungsrecht der Pfarrei zu Georgensgmünd. Der Markgraf belehnt zunächst noch den Schwager des Endreß mit den Hausen`schen Besitzungen (bis 1559) und den Herrn von Diemantstein (bis 1587), und verwaltet sie ab 1587 direkt (von Roth aus).

 

1559-65

die Pest wütet in der Gemeinde. Viele Einwohner sterben.

 

1564/65

der erste Jude, der Apotheker Samuel, ein Bruder des Jakob aus Roth, läßt sich mit seiner Familie in Georgsgmünd nieder.

 

um 1580

der jüdische Hoffinanzier Jakob aus Roth erwirbt Gelände auf dem Georgensgmünder "Thalbuck". Später entsteht dort der Judenfriedhof.

 

1582

der Jude Isaack, genannt Säcklein, erwirbt ein Haus auf dem "Thalberg" unterhalb des Friedhofs. In den folgenden Jahren ziehen mehrere jüdische Familien dazu (1603 insgesamt 54 Personen) bis die jüdische Gemeinschaft, bedingt durch Flüchtlingszuzug im Dreißigjährigen Krieg, 1630 etwa 40 % aller Haushalte in Georgensgmünd stellt, d.h. etwa 80 bis 100 Personen

 

1596

ältester entzifferter Grabstein des Judenfriedhofs.

 

1623

die erste Schule in Georgensgmünd mit 5-6 Schüler

 

1631

21. Oktober: plündernde Truppenteile überfallen die Georgensgmünder Juden. 11. November: kaiserliche Söldner, die unter Führung von Tilly in Roth und Umgebung lagerten, überfallen und verwüsten das ganze Dorf. Es gibt Tote. Zahlreiche Georgensgmünder fliehen in die ummauerte Stadt Roth, die ihrerseits 1632 geplündert wird. Die erste Synagoge brennt vollständig ab.  Der Ort selber  "ist wegen der großen Unsicherheit gar in Verödung geraten und seither unbewohnt verlassen".

 

1640

Der erste Glaubensflüchtling aus dem "Ländl an der Enz" siedelt sich an.

 

1653

Nach fast 20 Jahren wieder der erste Pfarrer in Georgensgmünd: Konrad Krauß

 

1654-66

immer mehr Glaubensflüchtlinge aus Österreich (aus dem "Ländle") siedeln sich an. Bis 1666 sind 16 Trauungen nachweisbar.

 

1665

bei einem Brand werden 14 Gebäude, ein Drittel von Georgensgmünd, eingeäschert. Erlaß einer neuen Gemeindeordnung für Georgensgmünd und Hauslach. Neben anderem wird auch das Zusammenleben von Christen und Juden geregelt.

 

1666

Markgraf Albrecht V. läßt das "Schlößchen" erbauen und nennt den Ortsteil, der darum entsteht, nach seinem Sohn Friedrichsgmünd.

 

1704

Durchmarsch und Einquartierung von Truppen. Der Spanische Erbfolgekrieg (seit 1701) wirft seine Schatten auch auf die Region. Ellingen und Pleinfeld werden fanzösisch-bayerisch besetzt, Patrouillen dringen bis Georgensgmünd vor. Die Markgräflichen Truppen verlegen ihr Hauptquartier von Roth nach Georgensgmünd.

 

1709

der Bäcker und Papierer Stephan Heinlein gründet die erste Papiermühle an der Schwäbischen Rezat (Vase mit drei Rosen als Wasserzeichen)

 

1712

die markgräfliche Jagdverwaltung, bisher im Schlößlein untergebracht ("Jagdschlößlein"), zieht ins neuerrichtete Forsthaus nach Petersgmünd. Im Schlößlein begründet "Schlößleinswirt" Jacob Wiedmann eine lange Tradition gastwirtschaftlicher Nutzung des Gebäudes.

 

1718

Erweiterung des Judenfriedhofs. 1714 gibt es wieder sechs jüdische Familien am Ort. Bis 1766 steigt ihr Anteil auf 28 Familien. Der Friedhof erfährt 1734 und 1741 weitere Erweiterungen

 

1720

Errichtung der Obermauker Kapelle ("Ecce-Homo") zum Gedenken des Friedrichsgmünder Wildmeister Matthias Rommel. Dieser war 1707 bei der Verfolgung von ungarischen Husaren, die eine Kutsche überfallen und Pferde geraubt hatten, an der Stelle erschossen worden.

 

1723

Errichtung eines neuen Leichenhauses (Taharahaus) auf dem jüdischen Friedhof, wo bereits gegen 1630 "ein kleins Häußlein dabey" war.

 

1726

Die Pest wütet. Die Abendbergerstraße wird zu Hauslach und Georgensgmünd bewacht, so daß niemand von dort mehr passieren kann.

 

1732

Durchzug von etwa 2000 Salzburger Emigranten auf dem Weg nach Ostpreußen.

 

1733

als "hochfürstl. brandenburgischer Papierfabrikant" läßt Georg Reinhold Naß gegen den massiven Protest sämtlicher Papiermüller der Region an der Fränkischen Rezat eine zweite Papiermühle errichten ("untere Papiermühle"). Das Wasserzeichen sind drei Lilien.

 

1735

Einweihung der jüdischen Synagoge am Anger mit Lehrerwohnhaus und Mikwe (Ritualbad).

 

1738

Umbau der Petersgmünder Kirche durch Johann David Steingruber (1702-87), der 1750, inzwischen Ansbacher Baumeister, noch ein Langhaus anfügt

 

1755-58

Neubau der Georgskirche im Markgrafenstil durch Joahnn David Steingruber

1791

Georgensgmünd fällt an Preußen.

 

1796

Die obere Papiermühle brennt ab (Wiederaufbau 1826 mit neuem Wasserzeichen: zu der Vase mit drei Rosen kommt eine Bischofsfigur hinzu).

 

1805

Mit dem Ausbruch des dritten Koalitionskrieges wird die Region, die zunächst von den frühen napoleonischen Kriegen unberührt geblieben war, in den Krieg mithineingezogen. Im Vertrag zu Schönbrunn (15. Dezember) tritt Preußen Ansbach und das ehemalige Markgrafentum an Frankreich ab.

 

1806

Das Kurfürstentum Bayern wird feierlich zum Königreich proklamiert und Frankreich tritt am 15. März seine gerade gewonnene Neuerwerbung ab. Georgensgmünd wird bayerisch. Ansbach wird Hauptstadt des "Rezatkreises", der 1837 in `Mittelfranken` umbenannt wird.

 

1810-14

Häufige Truppendurchzüge und Einquartierung von Italienern, Franzosen, Kroaten, Dalmatinern, Österreichern, Donkosaken und Russen im Zuge der Napoleonischen Kriege.

 

1811/18

Um- und Reorganisation der bayerischen Gemeinden: Mäbenberg und Petersgmünd bilden selbständige Gemeinden, Mauk, Obermauk und Wernsbach fallen der neugegründeten Ruralgemeinde Wallesau zu. Oberheckenhofen kommt zu Georgensgmünd.

 

1816

die neue Staatsstraße von Nürnberg nach Augsburg wird fertiggestellt. Sie folgt dem alten Verlauf der alten Handelsstraße (wohl aus dem elften Jahrhundert) und führt an Oberheckenhofen vorbei mitten durch Mauk und Wernsbach.

 

1816/17

Schulhausneubau in Georgensgmünd

 

1820

Urkataster mit Zählung und Erfassung der örtlichen Anbauflächen und Grundstücke

 

1834

von Hermann von Mayer erscheint die wissenschaftliche Veröffentlichung "Die fossilen Zähne und Knochen und ihre Ablagerung in der Gegend von Georgensgmünd in Bayern", in der alle bis dahin erarbeiteten Erkenntnisse über die Geologie und die Tierwelt dieser Fundstätte zusammengefaßt werden (er selbst besuchte die beiden Steinbrüche auf dem Bühl 1829). Damit rückt Georgensgmünd ins Rampenlicht wissenschaftlich-paläontologischen Interesses.

 

1849

30. September: Eröffnung des letzten Teilstücks Gunzenhausen - Pleinfeld - Georgensgmünd - Roth - Schwabach der staatlichen Ludwigs-Nord-Süd-Bahn und damit Anschluß an die Streckenlinie Augsburg - München - Nürnberg - Hof

 

1858

Einweihung des ersten Georgensgmünder Bahnhofs, ein Ständer-Bahnhof. 1872 wird der Ständer abgerissen und ein neuer Steinbau errichtet, der 1886 noch einmal im Inneren umgebaut wird. Erstes Zusammentreffen der "Liedertafel" als ältester Verein Georgensgmünds.

 

1872

Eröffnung der Eisenbahnnebenlinie ("Vizinalbahn") Georgensgmünd - Spalt (1963 Einstellung des Personenverkehrs, 1995 endgültige Aufgabe der Linie)

 

1875

Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Georgensgmünd durch den jüdischen Kaufmann Josef Welsch

 

1887

"Zur Krone"-Wirt Johann Winkler richtet im Schlößchen eine Brauerei ein, aus der die "Brauerei Georgensgmünd hervorgeht (bis 1977). Der jüdische Arzt Dr. Heinrich Mehler (1859-1926) läßt sich als praktischer Arzt in Friedrichsgmünd nieder und wird erster Arzt des Gemeindekrankenhauses

 

1899

der Fürther Johann Schaller errichtet auf dem Gelände der ehemaligen Papiermühle an der Fränkischen Rezat das erste Elektrizitätswerk im Landkreis Schwabach (Stillegung 1966)

 

1910

die Hämmerleinsmühle kommt zu Georgensgmünd (vorher Mäbenberg)

 

1912

12.Juli.: Einweihung des Lungen-Sanatoriums in Friedrichsgmünd

 

1913

Gründung des TSV Georgensgmünd 1913 e.V. Gründung des "Arbeiter-Turnvereins" (bis 1933).

 

1914-18

Erster Weltkrieg: 62 Georgensgmünder sterben an der Front

 

1931/32

Bau und Einweihung der katholischen Kirche St. Wunibald durch die Gebrüder Gsaenger. St. Wunibald ist zunächst Filiale der Pfarrei Roth.

 

1934

der überzeugte Nationalsozialist Minnameyer wird neuer Bürgermeister

 

1935

am Ortseingang wird eine Tafel angebracht mit dem Text: "Unser Bedarf an Juden ist hinreichend gedeckt"

 

1938

9./10. November `Reichskristallnacht`: die Fenster der letzten 13 verbliebenden jüdischen Bürger werden zerschlagen und einige vorübergehend inhaftiert. Die Einrichtung der Synagoge wird teilweise zerstört, während der jüdische Friedhof auf Veranlassung Minnameyers vor Schändung verschont bleibt. Zwei Tage später werden die Juden gezwungen, ihre Wohnungen zu verlassen und den Ort bis Ende des Jahres zu verlassen  (4 gelingt die Auswanderung nach Amerika, einer stirbt 1939 eines natürlichen Todes, 8 gelten als vermißt bzw. werden in Konzentrationslagern ermordet)

 

1945-51

die Fabrikbaracken der Nürnberger Lumophon-Werke, in denen während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeiter in Friedrichsgmünd untergebracht waren, dienen als Flüchtlingslager.

 

1948

die bislang letzte jüdische Bestattung eines Schwabacher Tabakwarenhändlers auf dem jüdischen Friedhof.

 

1951/52

"Georgensgmünder Schulstreit", der z.T. bundesweites Aufsehen erregt.

 

1952

Einweihung des neuen Rathauses

 

1958

St.-Wunibald wird selbständige Pfarrei

 

1959-61

Errichtung der Dr.-Mehler-Schule mit Turnhalle und Lehrerwohnhaus auf dem Gelände der ehemaligen Lungenheilanstalt

 

1966

Einweihung des St.-Wunibald-Neubaues des Petersgmünder Architekten Wolfgang Gsaenger

 

1971

Untersteinbach kommt zu Georgensgmünd.

 

1972

Gemeindegebietsreform: Mauk, Obermauk und Wernsbach kommen zu Georgensgmünd (vorher zu Wallesau). Die seit 1811 selbständigen Gemeinden Mäbenberg und Petersgmünd lösen sich auf und werden eingemeindet.   30. Juni: Georgensgmünd kommt zum Landkreis Roth (vorher Schwabach)

 

1978

Rittersbach und Weimannshof kommen zu Georgensgmünd

 

1988

die Gemeinde erwirbt die jüdische Synagoge aus Privatbesitz und beginnt mit unfangreicher Sanierung.

 

1993

Einweihung des neuen Gewerbe-Zentrums mit ca. 700 Arbeitsplätzen und 1. Gewerbeschau als `Tag der offenen Tür`. Einweihung des Altenheims der Arbeiterwohlfahrt in Petersgmünd.